Wo Neuseeland geboren wurde – Ein Besuch auf den Waitangi Treaty Grounds
- Sebastian

- 3. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Heute war Kultur angesagt. So führte uns unser Weg nach dem Frühstück zu den Waitangi Treaty Grounds. Ein Besuch dort innerhalb der Bay of Islands ist weit mehr als nur ein landschaftliches Highlight; es ist eine Reise zum eigentlichen Geburtsort der modernen Nation Neuseeland. Im Zentrum der weitläufigen Anlage steht das historische Treaty House, das einstige Wohnhaus des britischen Repräsentanten James Busby, wo am 6. Februar 1840 Geschichte geschrieben wurde. Anders als oft vermutet, wurde hier keine klassische Verfassung, sondern der berühmte „Treaty of Waitangi“ zwischen der britischen Krone und über 500 Māori-Häuptlingen unterzeichnet, was bis heute das fundierende Dokument für das Zusammenleben im Land darstellt.
Dabei wurde uns heute aber erklärt, dass der Vertrag nicht direkt in dem Haus unterzeichnet wurde, sondern in einem Zelt in der Nähe des Fahnenmastes und der großen Norfolk-Tanne.
Direkt neben dem Haus der Engländer steht das Te Whare Rūnanga. Das Te Whare Rūnanga wurde 100 Jahre später, also 1940, bewusst direkt neben das koloniale Treaty House (Busbys Wohnhaus) gestellt. Beide Gebäude schauen aufeinander (bzw. stehen nebeneinander mit Blick auf die Bucht), um die Partnerschaft zwischen der britischen Krone und den Māori unter dem Vertrag zu symbolisieren.
Ein Haus für alle: Normalerweise gehört ein solches Versammlungshaus (Whare) einem bestimmten Stamm und ist in dessen Stil geschnitzt. Das Te Whare Rūnanga ist jedoch einzigartig: Es wurde so gestaltet, dass die Schnitzereien alle Stämme (Iwi) Neuseelands repräsentieren, nicht nur die lokalen Ngāpuhi. Es gilt als das Versammlungshaus für die ganze Nation.
In diesem Haus wurden uns von Maoris traditionelle Tänze, Musikinstrumente und Waffen vorgeführt. Während der Vorführung durfte man wieder nicht fotografieren. Dennoch war es eine schöne Erfahrung.
Nur wenige Schritte von diesem historischen Gebäude entfernt zieht das Ngātokimatawhaorua alle Blicke auf sich – ein gewaltiges, knapp 36 Meter langes Waka Taua (Kriegskanu). Dieses beeindruckende Schiff ist kein Relikt aus der Urzeit, sondern wurde 1940 anlässlich der Hundertjahrfeier des Vertrags aus drei gigantischen Kauri-Stämmen geschnitzt und demonstriert eindrucksvoll die Handwerkskunst der Māori. Es liegt dort nicht nur als Museumsstück: Jedes Jahr am Nationalfeiertag wird das Kanu von einer Crew aus 80 Paddlern bewegt und feierlich zu Wasser gelassen.
Wer genau hinsieht, bemerkt am Waitangi Day, dass im großen Kriegskanu Ngātokimatawhaorua ausschließlich Männer sitzen.

Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit tiefem kulturellem Respekt. Frauen gelten bei den Māori als ‚Te Whare Tangata‘ – das Haus der Menschheit und Schöpferinnen des Lebens. Da das Kriegskanu jedoch traditionell dem Tod und dem Kriegsgott geweiht ist, werden diese beiden Sphären strikt getrennt. Zudem galt früher strategisch: Männer können im Kampf ersetzt werden, aber Frauen sind als Trägerinnen der künftigen Generationen für das Überleben des Stammes unverzichtbar – und somit im wahrsten Sinne des Wortes ‚zu wertvoll‘ für das Schlachtfeld.
Nach so viel Kultur mussten wir uns erstmal stärken und sind dazu, nachdem ich hervorragend eingeparkt habe, ins Jimmy Jack's Rib Shack.
Anschließend war heute ausruhen angesagt, bevor es morgen auf einen großen Ausflug geht.














































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