Waipoua Forest
- Sebastian

- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Nach 2 vollen Tagen und 3 Nächten verlassen wir Paihia Richtung Westen. So folgen wir dem State Highway 11 der Old Bay Road und anschließend dem State Highway 12 zu den Koutu Boulders.
Bei den Koutu Boulders handelt es sich um gewaltige, bis zu drei Meter große Steinkugeln (sogenannte Konkretionen), die vor etwa 65 Millionen Jahren durch chemische Kalkablagerungen um einen Kern im Meeresboden entstanden sind – ein faszinierender geologischer Prozess, der oft mit der Entstehung einer Perle in einer Auster verglichen wird. Da Flut war konnte man nicht alle Kugeln sehen. Zudem sind die größten der Kugel teils unter Sand begraben. Es war ganz nett, aber nichts wofür man extra hinfahren muss. Auf der Südinsel gibt es die Moeraki Boulders, welche wohl noch etwas beeindruckender sind.
Weiter dem State Highway 12 folgend fährt man an den riesigen Sanddünen Namens Te Pouahi vorbei. Sie sind ein beeindruckendes System aus bis zu 200 Meter hohen, goldenen Sanddünen, die steil ins Wasser abfallen und schon dem polynesischen Entdecker Kupe durch ihr leuchtendes Erscheinungsbild bei Sonnenuntergang als Wegweiser dienten. Sie sind nur per Wassertaxi von Opononi aus erreichbar, was sie zu einem exklusiven Ziel für spektakuläres Sandboarding macht, bei dem man direkt in den Hafen gleiten kann. In der Māori-Mythologie wird dieses Gebiet zudem von Niniwa, einem weiblichen Taniwha, bewacht, was der atemberaubenden Landschaft eine tiefere spirituelle Bedeutung verleiht.

Die Fahrt führte uns dann weiter direkt in den Waipoua Kauri Forrest.
Der Moment, in dem man die Grenze zum Waipoua Forest überschreitet, fühlt sich an, als würde man eine andere Welt betreten. Die Straße beginnt sich in engen Kurven durch eine dichte, grüne Wand zu winden, und das Sonnenlicht schafft es nur noch spärlich durch das geschlossene Blätterdach, was die Umgebung in ein mystisches Zwielicht taucht. Hier, an der Westküste von Northland, liegt das größte verbliebene Areal an nativem Kauri-Regenwald, und es ist die Heimat von Lebewesen, die schon atmeten, als das Römische Reich noch existierte.
Das absolute Highlight und der Grund, warum die meisten Reisenden diesen Ort aufsuchen, ist Tāne Mahuta, der „Herr des Waldes“. Es ist schwer, die Dimensionen dieses ca. 2500 Jahre alten Baumes in Worte zu fassen, ohne ihn selbst gesehen zu haben. Nach einem kurzen, gut befestigten Spazierweg steht man plötzlich vor ihm: Ein Stamm so massiv, dass er eher wie eine Felswand wirkt als wie Holz. Mit über 51 Metern Höhe und einem Umfang vom ca. 14 Meter strahlt dieser Baum eine Präsenz aus, die einen sofort verstummen lässt. In der Māori-Mythologie drückte Tāne Mahuta den Himmel von der Erde, um Licht in die Welt zu bringen – wenn man vor ihm steht, glaubt man diese Geschichte sofort.

Etwas weiter entfernt steht der Te Matua Ngahere, der „Vater des Waldes“. Er ist zwar nicht so hoch wie Tāne Mahuta, zum Teil liegt das auch an einem Astbruch nach heftigen Schneefällen vor einigen Jahren, aber er ist der dickste (ca. 17 Meter Umfang) und vermutlich älteste Kauri-Baum Neuseelands (ca. 3000 Jahre). Seine Form ist gedrungener, knorriger und wirkt fast noch archaischer.

Was diesen Besuch so besonders macht, ist nicht nur die Größe der Bäume, sondern auch das Bewusstsein für ihre Zerbrechlichkeit. Der Wald wird von der Kauri Dieback Disease bedroht, einer Krankheit, die durch mikroskopische Sporen im Boden übertragen wird.
Um den entgegen zu wirken, muss man an jedem Eingang zu und Ausgang von den Wanderwegen durch eine Reinigungsstation für die Schuhe.
Die weitere Fahrt führt der Highway entlang durch viele steile Kurven aus dem Kauri Forrest heraus. Ursprünglich wollten wir auf dem Kauri Coast Park übernachten, da es aber erst 14:00 Uhr war entschieden wir uns weiter zu fahren.
Im Nachhinein war das sicherlich eine gute Entscheidung. So hatte ich bei der Planung übersehen, dass wir ansonsten am kommenden Morgen noch über 3 Stunden zur Maui-Verleihstation in Auckland, wo wir unseren Camper abgeben, hätten fahren müssen.
So sind wir jetzt im Sheep World Caravan And Camping Park unterkommen und glücklich mit einer privaten Dusche und Toilette, ein Novum bisher im Vergleich zu all unseren anderen Campingplätzen.
Begrüßt wurden wir von einem zotteligen Schaf.

So schreibe ich nun gerade diese Zeilen, während Heike anfängt die Sachen in die Koffer zu packen.

Heute ist die letzte Nacht im Camper und Morgen werden wir uns Auckland anschauen 🙂.
















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